Hagelgilde geht gut aufgestellt in die Zukunft

Solide Finanzbasis, steigender Flächenanteil

Henning Pfitzner und Anke Weidemann stellen den Vorstand der Hagelgilde. Weidemann ist seit 2006 dabei und regelt die Finanzen, der studierte Agrarier Pfitzner ist im Jahr 2007 als Vorstandsvorsitzender eingestiegen. „Wir hoffen auf ein ruhiges Jahr“, erklärt der Vorstand. „Doch das ist überhaupt nicht vorherzusehen.“

Hauptrisikopflanze der Gilde ist der Raps, nach der Ernte der Ölfrucht werden die Gemüter langsam ruhiger. Doch es kann auch die Ruhe vor dem „Hagel“-Sturm sein, wie im Jahr 2008. Pfitzner berichtet, dass der Hauptschaden in dem Jahr im Dithmarscher Bereich angerichtet wurde, als ein Hagelzug am 7. August den Kohl und Weizen massiv schädigte. Die Hagelgilde ist ein Einspartenversicherer, der zudem regional aufgestellt ist.

Die Gilde konzentriert sich auf Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Derzeit streckt Pfitzner die Fühler nach Brandenburg aus und kann sich dort durchaus ein Mehrgeschäft vorstellen. Mit der regionalen Ausdehnung möchte Pfitzner auch die jährlichen Schadensschwankungen nivellieren. Denn je größer das Gebiet, desto gleichmäßiger verteilen sich die Schäden. Für die Gilde, die nicht gewinnorientiert arbeitet, sondern sich in erster Linie den Mitgliedern verpflichtet fühlt, sieht der Vorsitzende durchaus Marktchancen über den angestammten Bereich hinaus.

„Das Gildewesen ist typisch für Norddeutschland“, berichtet Pfitzner. Bei einem Verein auf Gegenseitigkeit richtet sich die Prämie unmittelbar nach den aufgelaufenen Schäden sämtlicher Mitglieder. In einem guten Schadensjahr fällt die Prämie niedriger aus, in einem schlechten höher.

Ziel bleibt weiterhin, den bestmöglichen Versicherungsschutz zum günstigsten Preis anzubieten. Dabei wird auf Veränderungen im Ackerbau weiter reagiert. So führt die Entwicklung bei erneuerbare Energien zu Anbauentscheidungen, denen die Hagelversicherung Rechnung tragen muss. Daraus resultierte die zusätzliche Sturmversicherung durch Mais. Ob weitere Naturgefahren außer Hagel sowie Sturm für Mais ins Angebot aufgenommen werden, kann Vorstand Henning Pfitzner noch nicht absehen.

Grundlagen einer zukunftsfähigen Hagelgilde bleiben eine solide Finanzierung und entsprechende Rücklagen, damit auch eine Häufung von Überschadensjahren bewältigt werden kann. Der stets steigende Flächenanteil ist für Pfitzner der beste Beweis dafür, dass der Gegenseitigkeitsgedanke, das faire Tarifsystem sowie die schlanke Verwaltung und die schnelle, objektive Schadenbegutachtung ihren Niederschlag finden.
Sönke Hauschild

Quelle: Bauernblatt, 02. Juli 2011


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