Hagelgilde Marktführer bei Ackerfrüchten
Neues und Altes liegen dicht beieinander in der Hagelgilde. So sind Vorstand und Aufsichtsrats-Vorsitzender seit einem Jahr im Amt, planen aber schon jetzt das 200 Jahr-Jubiläum der Gilde im kommenden Jahr. Am Vorabend des großen Tages zeigt sich die Gilde in einem guten Zustand. Zwar hat der Schadensverlauf der vergangenen Jahre die Schwankungsreserve auf ein niedriges Niveau gedrückt. Aber das Vertrauen der Mitglieder in eine schnelle und objektive Schadensregulierung führt der Gilde weiterhin neue Flächen und Versicherungsnehmer in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu. «Unser Aushängeschild ist die faire und schnelle Regulierung der Schäden», weiß Aufsichtsrats-Vorsitzender Heinrich Först aus Hoffeld.
Vorstand Henning Pfitzner erläuterte das Schadensjahr 2009. Insgesamt wurden 2,6 Mio. Euro an Entschädigung gezahlt. Die Summe ist hoch und laut Pfitzner zum großen Teil auf ein einziges Schadensereignis zurückzuführen. Am 24. Juli 2009 sorgte eine Hagelwolke, die von den Elbmarschen bis nach Stralsund zog, für einen Schaden von 1,3 Mio. Euro vor allem im erntereifen Raps. «Das können wir nicht beeinflussen», erklärte der Vorstand den hohen Anteil von 80 Prozent der Gesamtentschädigung allein für die Ackerfrucht Raps.
Auf solche Extremereignisse ist die Gilde jedoch gut vorbereitet. So wurde mit einem Rückgriff auf die Schwankungsreserve sowie auf die Rückversicherer reagiert, der Hebesatz für die Versicherungsprämie musste nur moderat angehoben werden. Ernst nehmen müsse man solche Ereignisse allerdings sehr wohl, mahnte Först. So sei 2009 schon das vierte Überschadensjahr innerhalb von fünf Jahren, eine Häufung, wie man sie in den letzten 30 Jahren nicht erlebt hat. Pfitzner erklärte, für das kommende Jahr müsse zudem mit leicht steigenden Rückversicherungskosten gerechnet werden. Als Spezialversicherer bleibe man jedoch stark vom Wetter abhängig und habe nur geringe Ausweichmöglichkeiten.
Doch sieht sich die Hagelgilde für das kommende Jahr gut gerüstet. Mit einem Anteil von 34 Prozent der versicherbaren Flächen beansprucht Pfitzner für die Hagelgilde die Marktführerschaft in Schleswig-Holstein. In Mecklenburg-Vorpommern ist man auf einem guten Weg, dies ebenfalls zu erreichen, hier liegt der Anteil gegenwärtig bei gut 21 Prozent. Angesichts dessen bewertet er ein Flächenwachstum um vier Prozent oder 16.000 ha in 2009 als bemerkenswert. In Mecklenburg-Vorpommern liegt man mit einer versicherten Fläche von 210.000 ha inzwischen vor dem Flächenvolumen von Schleswig-Holstein, auch wenn die Versicherungssumme aufgrund des niedrigeren Ertragspotenzials geringer ausfalle.
Pfitzner blickte zurück auf über 15 Jahre kontinuierlichen Wachstums. Auch 2009 wurden wieder 150 Neuanträge geschlossen. Damit sich das im Jubiläumsjahr nicht ändert, will die Gilde den eigenen Marktanteil mit einem «beständigen Wachstum» festigen. Den Schwerpunkt sieht die Gilde auch in Zukunft in der Hagelversicherung der Marktfrüchte Weizen, Gerste, Raps und Mais. Speziell für Biogasmais bieten die Sierksdorfer zusätzlich eine Versicherung gegen Sturmschäden an. Diese gewinnt in Bezug auf Bankkredite an Bedeutung. Für 2010 rechnet Pfitzner nicht mit größeren Preisschwankungen auf den Agrarmärkten. Er hofft daher, dass die Versicherungssumme, die sich daran orientiert, auf dem Niveau von 2009 gehalten werden kann.

«Dank und Anerkennung» sprach die Hagelgilde den langjährigen Schätzern und Mitgliedsvertretern aus. Vorstände Anke Weidemann (v. l.) und Henning Pfitzner, Schätzer Klaus Behrens (seit 1972) und Hans-Jürgen Heldt (seit 1969), sowie Vorsitzender Heinrich Först. Foto: Hauschild
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